Banda Internationale – Ein Heimat-Musikprojekt (2015–2016)

Banda Internationale ist ein Projekt der Banda Comunale und der Cellex Stiftung mit Dresdner Musikern und Asylsuchenden.

Header Banda

Foto: Ralf Jakubski

Die sächsische Landeshauptstadt ist seit Ende 2014 so etwas wie das Epizentrum einer anhaltenden gesellschaftlichen Debatte über Asylrecht, Fremdenfeindlichkeit und Integration. Für die Dresdner Band Banda Comunale gehört es zum Selbstverständnis, sich an diesen Debatten zu beteiligen. Seit 15 Jahren kennt man sie als Dresdner Original: Eine tanzbare Brass-Band, deren Name übersetzt so etwas wie „Dorf-Kapelle“ bedeutet und die sich schon immer gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit stark machte. Mit ihrer eingängigen und mitreißenden Blasmusik, die sich unterschiedlicher kultureller Einflüsse zum Beispiel aus Osteuropa, Südamerika und Nordafrika bedient, spielten sie unermüdlich auf Demonstrationen, Willkommensfesten, Solidaritätskonzerten und in den Erstaufnahmeeinrichtungen.

Nach vielen Konzerten gegen Pegida, gegen „Nein-zum-Heim“-Initiativen und für geflüchtete Menschen in Erstaufnahmeeinrichtungen hatten Michał Tomaszewski, Martin Schulze und ihre neun Kollegen beschlossen, dass sie einen Schritt weitergehen wollen: Unter den Geflüchteten musste es doch auch Musiker geben – Menschen wie sie selbst, die ohne ihr Instrument, ohne den Austausch mit Anderen und ohne das tägliche Üben einfach nicht sein können. Sie begannen sich umzuhören, Flugblätter in Unterkünften zu verteilen und Kontakt zu Sozialarbeitern aufzunehmen. Und sie hatten sich nicht geirrt. Acht Musiker aus Syrien, Iran, Irak und Burkina Faso gehören inzwischen fest zum neuen Projekt: Der Banda Internationale.

Seit anderthalb Jahren proben und spielen die Musiker gemeinsam und treten gemeinsam auf. Die Cellex Stiftung hat dieses Experiment vom Oktober 2015 bis zum 31. Dezember 2016 als Projektträger mit allen Kräften unterstützt, eine Crowdfunding-Kampagne organisiert, Gelder eingeworben, Auftritte mitorganisiert und Instrumente und Technik besorgt. Die bunte Truppe spielte über 60 Konzerte, sie spielte in Breslau, Berlin, Oberammergau, Markneukirchen, Leipzig, Idar-Oberstein, Osnabrück, Düsseldorf, Boizenburg, Jena, Erfurt, Weimar, Wiesbaden, Freital, Plauen, Bautzen, Freiberg, Chemnitz, Bischofswerda, Meißen, Zeithain, Pillnitz und in Dresden, Dresden, Dresden… Dabei haben sich tiefe Freundschaften zwischen den Musikern entwickelt. Die Band hat mit ihren neuen Kollegen alle Stationen der Ankunft in der deutschen Gesellschaft erfahren. Arztbesuche, Deutschkurse, Unterbringung und immer wieder Anträge, Anträge, Anträge, Anerkennung der Asylverfahren, Familienzusammenführungen, erste eigene Wohnungen, Bewerbungen und sogar Studienplätze. Sie haben Dramen miteinander durchlebt, als es so aussah, als sollte ein Bandmitglied abgeschoben werden, und Erfolge gefeiert, als sie erreicht haben, dass Brüder wieder zusammen in einer Stadt leben können. Die Banda Internationale war auf dem Stadtfest in Freital, im Club in der Dresdner Neustadt oder im Montagscafé am Staatsschauspiel präsent und sie hat dafür viele Ehrungen erhalten, den Sonderpreis der Staatsministerin für Kultur und Medien Monika Grütters für herausragende Projekte zur kulturellen Teilhabe geflüchteter Menschen, den Sächsischen Preis für Soziokulturelles Engagement der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen, das Prädikat „Ausgezeichneter Ort im Land der Ideen 2016“. Die Amadeu Antonio Stiftung förderte die Banda Internationale, der Freistaat Sachsen aus Mitteln der Förderrichtlinie „Integrative Maßnahmen“, die Landeshauptstadt Dresden aus Mitteln des Lokalen Handlungsprogramms Toleranz und Demokratie. Ein herzlicher Dank gilt diesen Institutionen, ohne die das Projekt nicht möglich gewesen wäre.

Dennoch beschlich die Musiker im Laufe des Jahres das Gefühl, dass sie kein Paradeprojekt für gelungene Integration und soziokulturelle Teilhabe sein wollen. Denn die Musiker sind einen großen Schritt weiter: Gemeinsam sind sie zu einer tighten, lauten Band mit spannenden Ideen, konkreten Visionen und einer entschiedenen, politischen Haltung gewachsen. Und kein Musiker der Banda möchte sich länger über seinen Flüchtlingsstatus definieren lassen.

„Ya Rayah“, der Song über den Auswanderer, zu dem auf so vielen Konzerten in diesem Jahr Geflüchtete und Sachsen ausgelassen miteinander getanzt haben, beginnt frei übersetzt etwa so: „Oh Auswanderer, wo willst du hin? Am Ende musst du doch bloß wieder heim. So viele Blauäugige haben diese Entscheidung schon vor mir und dir bereut“. – Die meisten unserer neuen Musiker wollten damals nicht „irgendwo hin“, sondern mussten vor allem erst mal „irgendwo weg“. Dass sie es jetzt nach vielen beschwerlichen Monaten trotz dem geschafft haben „irgendwo anzukommen“, ist eigentlich das Schönste, was wir nach diesem Jahr vorzuweisen haben – und natürlich die CD Hotel Leonardo: Unser Sound of Heimat! Auf den Dokumentationsfilm, mit dem Hechtfilm – Filmproduktion die Erfahrungen und Erlebnisse der Banda Internationale festhält, müssen die Fans noch bis zum Frühjahr 2017 warten. 

2016 endete zwar das geförderte Projekt, 2017 startet die Band Banda Internationale mit viel Energie, mit noch mehr Musik, mehr Konzerten, mit einem neuen Proberaum, mit Bildungsarbeit an Schulen und Jugendeinrichtungen und vielem mehr. Detaillierte Infos dazu findet Ihr auf www.bandacomunale.de.

Kontakt: blazmuzik@icloud.com

RURToWXI6QM